Binnenschifffahrt kämpft weiter um bessere Lobby

Experten diskutieren an Bord der »RheinEnergie« (oben). Uwe Israel (links) und Stefan Fischer, Geschäfsführer von exomission, wurden mit dem Innovationspreis Binnenschifffahrt ausgezeichnet. Fotos: Wägener

Die Binnenschifffahrt befindet sich in einer anhaltend schwierigen Marktsituation. Wie die Branche sich den Herausforderungen der Zukunft stellen will, diskutierten verschiedene Experten auf dem Binnenschifffahrtsforum in Köln. Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem zum zweiten Mal der »Innovationspreis Binnenschifffahrt« verliehen.

Die veraltete Infrastruktur bleibt eine der wichtigsten Herausforderungen für die Binnenschifffahrt. Darauf wies Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, in seiner Ansprache auf dem Forum Binnenschifffahrt hin. In diesem Jahr fand der von den beiden führenden maritimen Publikationen »Binnenschifffahrt« aus dem Schiffahrts-Verlag »Hansa« und »Schifffahrt und Technik« ausgerichtete Branchentreff in Köln an Bord der »RheinEnergie« statt.

Groschek wünscht sich mehr »Mutbürger« anstelle von »Wutbügern«, die sich für den Ausbau der Infrastruktur einsetzen und diesen nicht blockieren sollten. »Diejenigen, die Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze wollen, müssen ja sagen zum Ausbau der Infrastruktur«, so der Politiker. Dementsprechend forderte er die Fahrinnenanpassung der Elbe, die Rheinvertiefung sowie den Beginn der Vertiefung des Kanalnetzes.

In dem Verkehrswegeplan des Bundes müsse mit Bedacht das Binnenschiff, die Schiene und die Straße miteinander verknüpft werden. »Mit einer alten, bröselnden Infrastruktur ist kein Staat zu machen«, stellte Groschek fest.

Wie die Verknüpfung zweier eigentlich miteinander konkurrierenden Verkehrswege funktionieren kann, veranschaulichte Gert Sieksmeyer von Dettmer Rail, denn Dettmer nutzt sowohl das Binnenschiff als auch die Schiene für Gütertransporte.

Auch auf der Mosel gewinnt das Binnenschiff, vor allem beim Transport von Containern an Bedeutung, wie Gerd Thiebes vom Unternehmen Am Zehnhoff-Söns erläuterte. In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen mehrere Millionen Euro in den Terminalausbau investiert. Mittlerweile gebe es regelmäßige Shuttle-Verkehre zwischen Metz und Bonn, in denen ab kommenden Januar auch das neue trimodale Terminal in Trier integriert werden soll.

Die technische Entwicklung der Schiffe wurde auf dem Forum ebenfalls beleuchtet. Thomas Guesnet von DST veranschaulichte, wie das zukünftige Donauschiff aussehen könnte und Ben Maelissa, Danser, gab ein Praxisbeispiel eines Schiffes, das kürzlich auf einen LNG-Antrieb umgerüstet worden ist und stellte erste Ergebnisse vor.

Auch die Banken kamen zu Wort, denn die Finanzierung von Schiffen ist ebenfalls ein wichtiges Thema in der Branche. Andreas Schick, UniCredit, sprach davon, dass es heutzutage im Prinzip keine Finanzierung eines Schiffsneubaus ohne eigenes Kapital gebe. Dieter Schneider von der Bank für Schiffahrt (BfS) aus Hannover gab Informationen darüber, welche Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen eine Finanzierung eines neuen Schiffes eine Rolle spielen. Schneider sieht vor allem bei neuen Tankschiffen Potenziale für eine Finanzierung. In Sachen einer möglichen Insolvenzwelle gab Schneider Entwarnung. Diese sehe er in absehbarer Zeit nicht.

 Andreas Schick versicherte, dass UniCredit auch weiterhin ein Partner der Binnenschiffsfinanzierung sein wolle. Es gelte aber noch eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten. Vor allem müssen die Binnenschifffahrtsbranche auch in den Medien besser dargestellt werden. Diese Ansicht vertrat auch Groschek, der darüber hinaus mehr Platz für Logistikflächen an Verkehrsknotenpunkten im Hinterland forderte.  

Höhepunkt der Veranstaltung war der in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehene »Innovationspreis Binnenschifffahrt«, der erneut von der esa Allianz gestiftet wurde. Die Wahl fiel auf das Unternehmen exomission, das die Auszeichnung für ihre Kraftstoff-Wasser-Emulsionstechnik bekam. Hierbei handelt es sich um eine Technik, die auch für ältere Dieselmotoren geeignet sei. Neben der Verringerung der Emissionen sinkt auch der Kraftstoffverbrauch. 

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Die Zeitschrift »Binnenschifffahrt« ist offizieller Medienpartner der Binnenschifffahrtsmesse »Shipping, Technics, Logistics« (STL) in Kalkar. Sie finden ab sofort alle relevanten Informationen rund um die STL hier bei uns im Internet und in unserer monatlich erscheinenden Fachzeitschrift.

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Über Krisen und Chancen der Binnenschifffahrt diskutierten Experten auf dem diesjährigen Forum in Köln. Ein Bericht von Hermann Garrelmann. In Kooperation mit Via Fluvius.

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